Kleiner Fuchsbandwurm

Biologie

Bei dieser Bandwurmart handelt es sich um einen sehr kleinen (bis zu 4mm lang), vor allem im Dünndarm von Füchsen, seltener auch von anderen Fleischfressern wie Hund und Katze, lebenden Parasiten. Im Kot dieser Wirte befinden sich Bandwurmeier, die so auf Nahrungspflanzen (z.B. Salate, Getreide,…) gelangen und von den sogenannten Zwischenwirten (z.B. Feldmäuse,…) gefressen werden. Im Körper der Zwischenwirte entwickeln sich aus den Eiern Larven, die deren Leber zerstören. Werden diese infizierten Mäuse von den Endwirten Fuchs, Hund oder Katze gefressen schließt sich der Lebenszyklus, die Bandwurmanlagen werden im Darm der Endwirte frei und entwickeln sich zu neuen erwachsenen Bandwürmern, die wiederum reife Eier abgeben.

Fuchsbandwurmerkrankung beim Menschen

Die beim Menschen auftretende Erkrankung wird als Alveoläre Echinokokkose bezeichnet. Die Inkubationszeit bis zum Auftreten erster Krankheitsbeschwerden kann, da der Parasit im Menschen fast immer sehr langsam wächst, bis zu 15 Jahre dauern. Außerdem gibt es Fälle, in denen der Parasit sein Wachstum nach einiger Zeit einstellt und sogar abstirbt, so dass es zu keiner eigentlichen Erkrankung kommt. Überwiegend wird die schmerzunempfindliche Leber befallen und die auftretenden Symptome sind untypisch und erschweren die Diagnose. Das Krankheitsbild äußert sich in einem durch die Larven hervorgerufenen, über die vielen Jahre hinweg fortschreitenden, tumorartigen Wachstum der Leber. Wird der Patient nicht früh genug einer Behandlung unterzogen, kann es zu einem tödlichen Ausgang der Krankheit kommen. Die frühzeitige Erkennung einer Fuchsbandwurminfektion ist durch eine Blutuntersuchung möglich. Personen, die Kontakt mit infizierten Füchsen, Hunden oder Katzen hatten, können also vorsorglich einen Bluttest durchführen lassen. Wird ein Befall festgestellt, kann das infektiöse Gewebe operativ entfernt werden. In einem fortgeschrittenen Stadium ist es möglich, das Wachstum durch einen Chemotherapie zumindest zu hemmen. Mittlerweile hat sich die Überlebensrate durch verbesserte Behandlungsmethoden auf ca. 90% erhöht.

Möglichkeiten einer Infektion

Die wichtigste Infektionsquelle für den Menschen ist der Fuchs. Aber auch durch Mäuse jagende und verzehrende Katzen und Hunde kann eine Infektion stattfinden. Mit dem Kot werden reife Eier abgesetzt. Durch Vertrocknung, Auflösung durch Regen und sonstige mechanische Einwirkungen wird der Kot fein verteilt und damit unsichtbar. Der Mensch muss, genauso wie der natürliche Zwischenwirt, die Eier über den Mund aufnehmen, z.B.:

  • Durch den Verzehr von niedrig wachsenden Beeren, aber auch von Fallobst und von Salat aus dem für den Fuchs zugänglichen Garten. Diese können direkt vom Fuchs oder indirekt durch Insekten und Schnecken verunreinigt sein.
  • Durch Einatmen und Verschlucken von getrocknetem, aufgewirbeltem Fuchskot, z.B. beim Pflügen, Mähen, … Allerdings reagieren die Bandwurmeier empfindlich auf Austrocknung und Hitze, weshalb ein längeres Überleben im staubtrockenen Milieu wenig wahrscheinlich ist.
  • Durch Kontakt mit infizierten Endwirten, in deren Fell die Eier haften (besonders Jäger und Förster sind davon betroffen, aber auch von befallenen Hunden und Katzen mit Familienanschluss geht eine Gefahr aus).

Von November 1995 bis Dezember 2000 wurde in vielen Gebieten, so auch im Waldstück Brand, ein Großversuch zur Bekämpfung des Fuchsbandwurmes durchgeführt. Dabei wurden Fraßköder ausgelegt und die Befallsrate konnte von ca. 65% auf ca. 15% gesenkt werden.

Vorsichtsmaßnahmen

Das individuelle Infektionsrisiko ist gering, allerdings kann man sich auch mit großem Maß an Vorsicht nicht 100%ig vor einer Infektion schützen. Die folgenden Angaben sollten jeden Einzelnen in die Lage versetzen, zwischen Risiko und Vorsichtsmaßnahmen abzuwägen:

Auf den Verzehr von Waldfrüchten verzichten, Beeren und Gemüse sowie Fallobst aus Freilandkulturen nicht roh essen, nur nach Erhitzen über 60°C (kochen, backen). Tiefgefrieren bis –20°C tötet die Eier nicht ab!!

  • Hände vor dem Essen gründlich waschen und bürsten.
  • Verschmutzte Kleidung und Schuhe möglichst nicht ins Haus tragen und gründlich säubern; Kleidung bei 40°C waschen. Die Bandwurmeier sterben im trockenen Klima der Wohnung nach wenigen Tagen ab.
  • Bei Hunden und Katzen regelmäßig Entwurmungskuren durchführen.

Schutzmaßnahmen bei uns im Waldkindergarten

  • Gründliches Händewaschen mit Lavaerde und Nagelbürste vor dem Essen.
  • Es darf nichts aus dem Wald gegessen oder in den Mund gesteckt werden.

Wir bedanken uns bei Dr. Thomas Romig, Universität Hohenheim, für die freundliche Unterstützung.